
Neben den Seiten "Way of life" und
"News & Politics" findet ihr hier Artikel und Schriften, die nicht in diese Bereiche passen und oft auch von persönlichen Gedanken und Meinungen von Einzelpersonen sind.
Somit soll das auch ein unbedingter Aufruf an Euch sein, uns eure Texte zu schicken, um sie hier zu veröffentlichen.
History Review:
Das Massaker von Babyn Jar
Von Micha /Leipzig
Seit dem 19.September 1941 besetzte die Wehrmacht die
ukrainische Hauptstadt Kiew. Am 27.September wurde die
schon vorher geplante Ermordung der jüdischen Bevölkerung
beschlossen. An diesem Tag beteiligten sich deutsche
Polizeibataillone an einer "Säuberungsaktion", bei der es zu
ersten Erschießungen kam.
Ab dem 29. September wurden die in einer Schlucht namens
"Babyn Jar", außerhalb von Kiew zusammengetrieben, mussten
sich dort auf den Bauch legen und wurden durch Genickschuss
ermordet. In Abständen wurden die wachsenden Leichenberge mit
Sand und Geröll aufgeschüttet.
An beiden Tagen wurden 33.771 Menschen ermordet. Da aber nicht jedes Opfer registriert wurde,
liegt die Zahl wohl höher. Eine unvorstellbare Anzahl, die nur umzusetzen war, weil diese Art des
Mordens perfektioniert wurde. So mussten Mütter ihre Kinder vor der Brust halten, damit man
beide mit einem Schuss töten konnte. Da das Morden durch Erschießen stattfand, spricht man von
einem "Holocaust by Bullets".
Um einer möglichen Strafverfolgung zu entgehen, begannen die Nazis ab 1942 in der
"Sonderaktion 1005", Leichen aus Massengräbern wie dem in Babyn Jar zu exhumieren und zu
verbrennen. Das machte die Identifikation und die Erfassung des Ausmaßes des Massakers noch
schwerer.
Auch in den beiden Folgejahren wurde Babyn Jar genutzt, um Menschen zu ermorden, sodass dort
ca.65.000 Menschen hingerichtet worden sein könnten. Insgesamt wurden ca. 1,5 Millionen Juden
während des zweiten Weltkriegs in der Ukraine ermordet.
Das Massaker von Babyn Jar und die "Sonderaktion 1005" fand unter der Leitung von
SS-Standartenführer Paul Blobel statt. Dieser wurde nach den Nürnberger Prozessen im Jahr 1951 gehängt.
Viele Jahre nahm man an, diese Verbrechen wurden allein von der SS verübt, auch um das Ansehen der Wehrmacht nicht zu beschädigen. Doch haben historischen Beweisen nach bei diesem Massaker, SS, Wehrmacht und Polizei des NS-Staates eng zusammengearbeitet.
Quelle:
“Vor 80 Jahren: Massaker von Babyn Jar (2021)”
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/340854/vor-80-jahren-massaker-von-babyn-jar/
“Babyn Jar, das vergessene Massaker (Doku)”
https://www.youtube.com/watch?v=WrlDb4nP2w8


Judenhass - gefühlt widerständig
Von Wolle /Hamburg
Politischer Widerstand agiert heutzutage auf der Gefühlsebene und ist dadurch einfacher denn je – benötigt das emanzipatorische Subjekt dazu nur einen Internetzugang mitsamt Instagramaccount. Hier gibt es die benötigte Bestätigung aus der Bubble und hier darf die aufgeklärte Intellektuelle auch mal richtig dampfablassen, wenn sie neben dem Verbreiten von selbstbezogener Schundliteratur zu sonst nichts fähig ist.
Da erdreistet sich doch diese Hamburger Kommunistenbande mit Namen ,,Grow“ einen Aufruf zu einer Kundgebung zu veröffentlichen ohne Seyda überhaupt gefragt zu haben!
Seyda Kurt, die am 01.11.2023 in der Roten Flora ihr Buch ,,Hass - Von der Macht eines widerständigen Gefühls“ zu einem, wie sie sagt, kleinen Lohn (dass Frau Kurt mit ihrer Widerstandsliteratur sich zwei Wohnsitze in Berlin und Köln leisten muss lässt die arme Frau beflissentlich dabei aus) vorstellen wollte, fühlt sich übergangen.
Die von ihr im voraus noch so sachlich-respektvoll formulierte Kritik an besagtem Aufruf, erfuhr keinen Anklang, weshalb Seyda davon absah, sich dem Aufwand, in einen überfüllten ICE zu steigen, zu beugen und stattdessen die Chose lieber absagte. Das ,,Grow" gerade in diesen Zeiten nichts besseres zu tun hat, als über einen endlosen E-Mailverkehr den Nahost-Konflikt mit einer ihrer tausend Referent*innen todzudiskutieren und sich erst nach basisdemokratischen Beratungen zu einer Antwort durchringen kann, müsste Seyda doch von ihren vorgeblich alten Genoss*innen bekannt sein. Zählen zur eigentlichen Stärke der Gruppe doch eher die Event-Orga und der Soli-Merchverkauf. In einem späteren Statement kündigte Kurt an, ihre Kritik an der Gruppe erst nicht öffentlich machen zu wollen, um sie dann im selben Moment zu veröffentlichen. Der Inhalt spricht Bände über den heutigen Zeitgeist...
Als am 07.10.2023 die Hamas-Schlächter den Gazastreifen überquerten und eine regelrechte Blutorgie in den umliegenden Kibbuzim und Dörfern anrichteten, waren selbst hartgesottene Gegner der Terrormiliz über das Ausmaß überrascht. Bilder von Geiselnahmen und Massenvergewaltigungen füllten die mediale Landschaft. Neben dem allgemeinen Entsetzen und den vielen Solidaritätsbekundungen trat jedoch gleichzeitig etwas anderes ein: Es zeichnete sich eine hässliche Fratze bei vielen ab, deren Gesichtsausdruck als eine Mischung aus Empathielosigkeit und blinder Selbstgerechtigkeit gut umschrieben ist. Die Bluttaten wurden frenetisch als Akt des Widerstands - besonders von islamistischer und linker Seite bejubelt. Die von weltweiten Judenhassern herbeiphantasierte faire Austragung des Konfliktes war endlich eingetreten. Nun wissen wir, was gewollt ist, wenn zehntausende auf den Straßen europäischer Großstädte die Worte: ,,Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“ skandieren.
Kurt, die in ihrer sachlich-respektvoll formulierten Kritik, den von dem schlimmsten Massaker seid der Shoa gebeutelten Staat der Juden, Israel, als Besatzerstaat brandmarkt und dabei auf einen nichtexistenten links-feministischen Konsens a la ,,Wir stehen auf der Seite der Unterdrückten“ pocht, vertritt eine Meinung, welche derzeit bei Antisemiten sämtlicher Coloeur en Vogue ist. Es ist der schiere Wunsch nach dem Ausgleich der Kräfteverhältnisse, dem rechtmäßigen Kampf des imaginierten palästinensischen Widerstandes gegen die böse übermächtige Besatzermacht. Ihre Projektion gegen das angebliche Konstrukt.
Das hunderte als Geiseln genommene israelische Zivilisten befreit werden müssen, stand für sämtliche politische Lager der Knesset außer Frage. Das Land rückte zusammen und bereitete sich auf die bevorstehende Militärintervention vor. Und kaum hatte diese begonnen, fing auch der Rest an Israelkritikern - jener der Anfang Oktober noch den Mund hielt – an, seinen einseitigen Ruf nach Frieden auch in die letzten Winkel dieser Erde zu tönen. Es ist das alte antisemitische Bild: ist der Jude friedliebend und dringt auf Versöhnung gilt er als feige und rückgratlos. Wehrt sich ein Jude, gilt er als unverbesserlicher Aggressor. Von der Jungen Welt, bis hin zu den Trotzkistensekten, herrschte freudige Bestürzung über die schnellen Erfolge der Israel Defense Forces (IDF) - endlich war das eigene Weltbild wieder hergestellt. Diskussionen entbrannten, die sich inhaltlich an purem Nonsens abarbeiteten, sei es die, über das Wort ,,Barbaren“. Hatte es doch der Springerverlag gewagt, die Krieger der klerikalfaschistischen Hamas als solche zu benennen. Adorno gebrauchte ,,Barbarei“ noch um die nationalsozialistischen Gräueltaten zu beschreiben. Über die Wort-Herkunft lässt sich sachlich diskutieren. Es gibt wissenschaftliche Ansätze die es von den Vandalen herleiten. Andere sehen den Ursprung von den Berbern kommen. Das Wort ist ungefragt eurozentrisch, jedoch war der Shitstorm den es auslöste vehementer als erwartet. Was sind das für Online-Milieus, welche so auf Political Correctness konditioniert sind, dass ihr Entsetzen über ein inkorrektes Wort mehr wiegt als die Bestürzung über ein durch islamistische Klerikalfaschisten angerichtetes Massaker? Eigentlich nicht verwunderlich in einer Zeit, in der die Literatur der rechtspopulistischen Türkin Kübra Gümüsay in sämtlichen Bücherschränken Studierender der Sozialwissenschaften zu finden sind.
Für die Islamisten in den eigenen Reihen finden Young Struggle, Arbeitermacht und Konsorten kaum Worte. Das braucht es auch nicht! Wird schon zu den Steinen, die in den letzten Wochen auf Synagogen geworfen werden und auf die beschmierten jüdischen Wohnhäuser und Gräber kein Wort verloren. In ihrem Weltbild bleibt es die Nato, die USA und Israel, welche Schuld am Übel der Welt haben. Seit bald 60 Jahren ist nichts anderes mehr zu hören. Und auf ihren endlosen Podiumsdiskussionen fragt sich die revolutionäre Linke immer noch, warum sie niemanden mehr erreichen kann und seit Jahrzehnten am Boden liegt. Da ist die Freude über so manches von der Bundesregierung verhängte Demonstrationsverbot dann doch größer, da diese einen im eigenen pseudorevolutionären Gestus noch mehr bestärken. Wird sich doch im dekolonialen Kampf gewähnt und das zusammen mit der PLO, dem Islamischen Jihad, der Hamas. Feinsäuberlich monetär und propagandistisch unterstützt durch Vorzeigestaaten der Menschenrechte wie Katar, Iran, Türkei... Seyda Kurts dekolonialer (Schreib-)K(r)ampf wurde hingegen finanziert von der Fazit-Stiftung der neoliberalen Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Die Israelis können machen was sie wollen – die weltweite Linke bleibt ein strukturell-antisemitisches Problem mit dem Anspruch sich für etwas moralisch besseres zu halten. Über den Status nationalistischer Befreiungsbewegungen wird längst nicht mehr hinaus gekommen. Ein Glück, dass die jüdische Bevölkerung schon früh gemerkt hat, dass sie sich auf diese nicht verlassen kann. Das Endresultat dieser Einsicht ist der Zionismus mit seinen guten, wie schlechten Seiten. Wir können den Menschen in Gaza und Israel bis dahin nur viel Glück wünschen, auf dass sie schneller von dem Hamas-Regime befreit werden, als wir von den Instagramergüßen einer Seyda Kurt.
Nachtrag:
Warum äußern sich linke Gruppen jetzt erst zu Israel? Weil sie sich direkt nach dem 07. Oktober nicht mit den Opfern des islamischen Terrors solidarisieren wollten! Jetzt, wo der israelische Gegenschlag seinen Zenit erreicht hat, sprießen halbgare Analysen wie Pilze aus dem Boden. Gerade in Hamburg werden dabei anarchistische und kommunistische Gruppen des permanenten Genozidvorwurfs dem jüdischen Staat gegenüber nicht müde. Die Statements lesen sich dabei so, als ob besagte Gruppen ihr Wissen um den Nah-Ost-Konflikt aus Tik-Tok-Beiträgen und Instagram-Slides ziehen. Unter anderem fantasiert die Antifa Hoheluft sich eine ,,allumfassende Analyse oder Lösung des Konfliktes“ herbei, versagt aber allein schon bei der Bekämpfung von Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Während Plakate der entführten Geiseln im eigenen Viertel – genannt Eppendorf - mit SA-Parolen a la: ,,Judah verrecke!“ beschmiert werden, wird stumpfsinnig der linke Imperativ vom Stopp von Waffenlieferungen an Israel runtergebetet. Allgemein hat sich die politische Lage in der Stadt an der Waterkant besorgniserregend zugespitzt. Die Universität Hamburg gilt schon seit Monaten als Ort an dem jüdische Menschen sich nicht mehr offen hin trauen, werden sie dort doch bedroht, beschimpft und gewaltsam angegriffen. Als größtes Hassobjekt der sich selbstbetitelten ,,Intifada Generation“ wird die Rote Flora im Schanzenviertel identifiziert und das, weil diese einen antiautoritären Kurs zum Thema Nah-Ost-Konflikt fährt. Entsprechendes Klientel, was sich aus Anti-Imperialisten und den Islamisten des Palicamps am Hamburger Dammtor zusammensetzt, wird dabei fortwährend nicht müde von der Übernahme der Roten Flora durch eigene Kräfte zu schwadronieren. Anzeichen dafür herrschen hierfür nur in deren eigenen Allmachtsfantasien vor. Um dies zu untermauern wird hier mal eine Pseudobesetzung inszeniert und dort mal ein Zitat der jüdischen Antizionistin Esther Bejarano an die Flora Wand angebracht.
Bejarano hatte übrigens Unrecht. Ihre meist zitierte Aussage müsste lauten: Wer gegen Antisemitismus kämpft, kann sich auf die radikale Linke nicht verlassen.
